Sommerfrische am Wolfgangsee

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Billroth Abendlicher Ausblick von der Hotelterrasse

„Es is´ so grausig schee bei uns“
Diesen Satz höre ich von den Einheimischen in meinem Urlaub am Wolfgangsee im Juli dieses Jahres immer wieder. Wieso man „schee“ mit „grausig“ kombiniert, entzieht sich meiner Kenntnis, aber Gegensätze ziehen sich bekanntlich an und grundsätzlich haben sie recht. 

Obwohl ich persönlich dieses spezielle Plätzchen im Salzkammergut als „einzigartig“ schön bezeichnen würde. Eine Natur-Symbiose aus imposanten Bergen, einem glasklaren See, weiten Wäldern und blühenden Wiesen, wie sie sonst in vergleichbarer Art kaum irgendwo anders zu finden ist.

Zug fährt ab Leinen los Sichtlich geniesst unsere Redakteurin die Schifffahrt

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Sommerfrische am Wolfgangsee

In Wien liegt die Temperatur bei etwa 33 Grad im Schatten, nichts wie weg also in die gute alte Sommerfrische nach St. Gilgen ins Parkhotel Billroth, welches in herrlicher Lage über dem See thront und uns zu jeder Tageszeit mit einem großartigen Ausblick belohnt.

Hotelchefin und Wolfgangsee Wanderdame Daniela Schachl weiß ganz genau, was wir wollen: eine Familien-Suite, in der sowohl ich als auch das 18-jährige Töchterlein und dessen Freundin aus den USA jeweils genug Freiraum finden. Plus einen Tisch auf der Restaurant-Terrasse in der ersten Reihe. „Mit meinen Mitarbeitern habe ich großes Glück, ich bin sehr stolz auf jeden Einzelnen“, freut sich Daniela und wir stimmen ihr zu. Der Service ist herzlich, hochprofessionell und der Küchenchef zaubert täglich Gerichte, zu denen man leider wirklich nicht nein sagen kann.

Die Geschichte des Hauses geht auf den berühmten Chirurgen Theodor Billroth (1829 – 1894) zurück. Er zählte über lange Jahre zu den treuesten Sommergästen St. Gilgens und ließ im 19. Jahrhundert die Villa Billroth errichten. 1905 wurde sie verkauft und es wurde ein neues Landhaus errichtet, welches 1907 fertig gestellt wurde und heute noch den altehrwürdigen Namen trägt.
Spaziert man ein paar Schritte durch den bezaubernden Parkgarten, gelangt man zum Badehaus samt Steg und Wiese, feine Liegen, Sonnenschirme, ein Tretboot, ein Tischtennistisch und ein gesundes Salatbuffet um die Mittagszeit stehen bereit.

Zug fährt ab und Leinen los

Doch nur Faulenzen allein ist nicht, die idyllische Gegend rund um den See mit Trinkwasserqualität will schließlich auch erkundet werden. Und Hans Wieser, Tourismuschef am Wolfgangsee, hat die passenden Ideen dazu. Wir beschließen von St. Gilgen nach St. Wolfgang mit einem Schiff der Wolfgangsee Schifffahrt anzureisen, die es bereits seit Kaisers Zeiten gibt. 1873 wurde der Schaufelraddampfer Kaiser Franz Josef I vom Stapel gelassen, das 33 Meter lange Schiff mit den wuchtigen Schaufelrädern galt damals als technische Errungenschaft. Auf dem Schiff rückt die reizvolle Region rund um den Wolfgangsee ganz nahe, zum Beispiel St. Gilgen mit dem Geburtshaus von Mozarts Mutter, Strobl mit seiner schönen Promenade, die eindrucksvollen Berge wie das Zwölferhorn, der Sparber (auch Löwenkopf genannt) oder der Falkenstein, der bereits in prähistorischer Zeit als Kultplatz gedient haben dürfte. Hans begleitet uns nach St. Wolfgang mit dem berühmten Weissen Rössl der Familie Peter und auf den Schafberg mit der steilsten Zahnradbahn Österreichs, welche pro Jahr bei einer Streckenlänge von 5,85 Kilometern in nur etwa 30 Minuten jährlich fast 300.000 Gäste auf den 1.783 Meter hohen Berg befördert. Sieben-Seen-Ausblick inklusive, unzählige Touristen ebenso.

Shopping am Wolfgangsee

Zurück im Tal stellt sich der kleine Hunger ein. Hans weiß natürlich Rat und führt uns in den Hotel-Gasthof Falkenstein in Ried, einen der sonnigsten Plätze am Wolfgangsee, zum Essen aus. Die Frage, was bestellt werden soll ist schnell geklärt: Saibling und Forelle – what else – denn nirgendwo isst man frischere Fische als direkt am See. Frisch sind danach auch wir wieder und Shopping ist angesagt.

Fündig werden wir bei Heimatgold, wo Elisabeth Sailer – ganz wie in der altbewährten Speis – ausgezeichnete, bäuerliche Produkte anbietet, die sonst nur beim Bauern selbst erhältlich sind. Die biologischen und veganen Natursalzspezialitäten des Salzkontors der Familie Tucek werden in Liebe und Sorgfalt von Hand in der eigenen Manufaktur im Salzkammergut hergestellt und was man mit Seife noch mehr machen kann, als sich zu waschen und zu pflegen, wird in der Benediktiner Seifenmanufaktur anschaulich dargestellt.

Im Apfelputz, bei Theresa und Thomas Raffler, dreht sich alles um den „Kronprinz Rudolf und seine Liebe“, wobei es hier nur nicht um historische Belange, sondern um den berühmten Apfel geht. So gibt es beispielsweise naturtrüben Apfelsaft, Apfelchutneys, Apfelchips und allerlei weitere Köstlichkeiten. Bis zu 15 Personen können gegen Vorbestellung im Kellerstüberl Feste feiern, bestellt werden kann fast alles was das Herz begehrt. Wir entscheiden uns für ein deftiges Bratl mit Knödeln und Kraut und ein fantastisches Risotto mit frischen Waldpilzen aus der Region.

Dreimal Gold in St. Wolfgang

Groß ist die Freude bei Renate und Johannes Peinsteiner in der See-Destillerie, die sie im Jahr 2003 im ältesten Haus in St. Wolfgang, dem ehemaligen Benediktinerkloster, die St. Wolfganger Klosterkellerei, gegründet haben. Seitdem gilt gilt die See-Destillerie als Geheimtipp für Liebhaber von regionalen Likör- und Destillerie-Spezialitäten. „Vor zwei Jahren erweiterten wir unseren Betrieb und es entstand unsere Genuss-Werkstatt, in der wir unserer Kreativität in der Welt der Edel-Spirituosen freien Lauf lassen“, so Neo-Brenner Johannes. Frei nach Oscar Wildes Motto „Mit dem guten Geschmack ist es ganz einfach: man nehme von allem nur das Beste“, tritt Johannes 2016 mit seiner Trilogie Wolfgangsee,- Salzkammergut,- und Kaiserjagd Gin in Rüdesheim beim internationalen World Spirits Award an und gewinnt gleich dreimal Gold! Wir dürfen Hannes in seiner Destillerie über die Schulter schauen und erfahren: „Der Wolfgangsee Gin glänzt mit einem feinen Wacholderanteil und bringt die Botanicals (Anm. d. Red.: alle Aromen, die Gin beigefügt werden, um sein jeweils individuelles Aroma herzustellen) der umliegenden Almen zur Geltung. Der kräftigere Salzkammergut Gin präsentiert sich mit dem typischen Geschmack der Zirbe aus dem Hochgebirge des Dachsteins und der würzige Kaiser Jagd Gin bringt die Botanicals auf Höhe der Latschen, vom seinerzeitigen Jagdgebiet des Kaisers, der Zimnitz zur Geltung, nämlich mit 18 Botanicals“, berichtet der stolze Gewinner.

Gelebte Tradition in der Sommerfrische

Es heißt, die Menschen spiegeln sich im Brauchtum wider. Wir bekommen die Gelegenheit, Tradition und Kultur nicht nur mitzuerleben, sondern hautnah dabei zu sein.

So erzählt uns Sigmund Falkensteiner, Inhaber des Ferienparadieses Leopoldhof in Ried und Vereinsobmann des Vereins Naturerlebnis Traunerl, bei einer exlusiven Traunerl Bootsfahrt, wie es dazu kommt: „Nachdem die Traunerl in den letzten Jahrzehnten immer mehr vom Wolfgangsee verschwunden sind, hat sich unser Traunerl Verein zum Ziel gesetzt, diese wunderbare Tradition wieder aufleben zu lassen. Gerade in einer Zeit, in der Stress und Hektik zur Tagesordnung gehören, soll hier wieder ein Zeichen zur Entschleunigung gesetzt werden.“ Traunerl sind traditionell kiellose, schlanke und weitgehend kastenförmige Holzschiffe, die in früherer Zeit im Salzkammergut zum Transport diverser Güter benutzt wurden. Für die Herstellung wird Lärchen- oder Tannenholz verwendet. Begleitet werden wir auf unserer besonderen Bootsfahrt in den Sonnenuntergang von zwei Wolfgangseer Wanderdamen, Maria Linortner vom Pilznerhof in Strobl und unserer Wirtin Daniela.

Sie sind Wanderdamen mit Begeisterung, doch was bedeutet das überhaupt? „Wir laden unsere Gäste und Besucher ein, gemeinsam mit uns zu wandern. Die Natur und kulinarische Schmankerl zu genießen und die Plätze der Einheimischen kennenlernen. Ich bin Wanderdame, weil ich die Leidenschaft für unsere Region gerne aus meinen Augen an unsere Gäste weitergeben möchte“, erklärt Maria. Insgesamt gibt es schon zehn Wanderdamen rund um den Wolfgangsee, allesamt sind sie auch herzliche Gastgeberinnen unterschiedlicher Betriebe, vom exklusiven Vier-Sterne-Hotel bis zum gemütlichen Bauernhof. Zu ihren Mitgliedern gehören neben Maria und Daniela zum Beispiel auch Rösslwirtin Gudrun Peter.

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Wein am See

Auch die schönste Reise geht irgendwann zu Ende und Feste muss man feiern wie sie fallen. Unseren letzten Abend verbringen wir bei wunderbarem Sommerwetter, bester Stimmung und musikalischer Untermalung von Martin Georg am Steg des Hotel Kirchenwirts in Strobl. Mittlerweile veranstaltet Josef Schmeisser dort seit vier Jahren seine „Wein am See“ Verkostungen und Events, zu welchen Top Winzer Österreichs, wie etwa das Weingut Hillinger Salomon Undhof, Polz oder Birgit Braunstein eingeladen werden, um ihre Produkte in diesem großartigen Rahmen zu präsentieren. Es is wirklich so grausig schee!

Vielen lieben Dank an Astrid Steinbrecher-Raithmayr, die wie immer zauberhaft ihre Reiseerlebnisse zu Papier oder besser Laptop gebracht hat. Eingeladen wurde sie  kostenfrei vom Tourismusverband Wolfgangsee und dem Parkhotel Billroth.

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2 Kommentare
  1. Maria Linortner says:

    Ja, der Wolfgangsee ist absolut eine Reise wert!
    Die „Wandersaison“ der Wanderdamen beginnt am 22. September und geht heuer bis 26. Oktober.
    Für (Klein)Gruppen können gerne auch separate Wandertermine angeboten werden.
    Gerne stehe ich am Wandertelefon für weitere Infos zur Verfügung!
    Tel. 004 3680 20 85 165
    Bis bald am Wolfgangsee
    Maria Linortner, Wanderdame und Gastgeberin am Pilznerhof

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