Lost Places Geisterstadt in der Diamantenwüste von Namibia

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Afrika erstes Röntgengerät und eine Eisfabrik mitten in der Wüste. Meine Großmutter lebte und arbeitete hier in der Eisfabrik, erzählt mir Gisela unser Guide aus Lüderitz. Hier, mitten in der Wüste eine Eisfabrik? Frage ich. Und was hat es mit dem Röntgengerät auf sich?

Lost Place – Geisterstadt in Namibia

Deutsche Geisterstadt in der Diamantenwüste von Namibia

Kolmanskop war die reichste Stadt Afrikas und wirklich lange ist es noch nicht her. Dabei hat sich die Wüste inzwischen, so ziemlich alles was die Menschen hier in Kolmanskop in nur drei Jahren erschaffen haben, wieder zurück erobert.
Heute eine Lost Places Geisterstadt –Ghost Town – trifft es und noch heute befindet sich die einstige Deutsche Siedlung unmittelbar am Diamantensperrgebiet.

Bücken verboten

Wer sich bückt ist verdächtig. Überall filmen Kameras jede Bewegung der Touristen. Nur innerhalb des Zauns und auf Sichtbarkeit darf ich mich hier bewegen. Hmmm, was finde ich an diesem Ort seltsamer? Diese Überwachung oder doch die regelmäßigen Belehrungen über Schlangen und Skorpione?
Ich entscheide mich für Variante drei und lasse die Kulisse einfach auf mich wirken. Es dauert auch nur ein paar Sekunden und ich fühle mich in die geschäftige Zeit von 1908 zurück versetzt. Hier wird Geschichte lebendig. Es muss sehr interessant gewesen sein, hier zu leben. An Luxus in der hellgelben Sandwüste mangelte es wirklich nicht.
Für das leibliche Wohl sorgten Bäcker und Metzger, Ärzte und das damals größte Krankenhaus Namibias versorgten große und kleine Blessuren. Eine Sporthalle zur körperlichen Ertüchtigung, Kegelbahn und Restaurant um die Geselligkeit zu fördern und Theater, sowie Kino vermittelten Kultur. Ach ja, die Eisfabrik. Mittels einem ausgeklügelten Kühlsystem aus Salz- und Süßwasser ließ sich Eis herstellen. Kälte die dringend benötigt wurde um Speisen haltbar zu machen. Ab 1911 war die heutige Geisterstadt an die Elektrizität von Lüderitz angeschlossen und eine eigene Entsalzungsanlage produzierte Frischwasser.
300 Familien waren bemüht in dieser unwirtlichen Gegend eine wirklich lebenswerte Oase entstehen zu lassen.

Dabei war alles nur purer Zufall

Südwestlich von Namibias Hauptstadt Windhoek erstreckt sich über 80.000 qkm bis zur Atlantikküste die älteste Wüste der Welt. Die Namib. Plan war es, eine Eisenbahn Strecke vom Landesinneren in Aus bis an den Atlantischen Ozean nach Lüderitz zu bauen. 100 km durch lebensfeindliches Gebiet, baute die Kolonie Deutsch-Südwestafrika.
Nur soweit am Rande erwähnt, die Bahnstrecke war bereits nach drei Jahren fertig gestellt, doch gefahren ist bis heute noch kein Zug. Täglich müssen die Schienen von Sand befreit werden, doch ob und vor allem wann die Strecke jemals genutzt wird ist fraglich.
Beim Bau allerdings fand man Anfang 1908 Diamanten im Sand. Der Grund, warum es den Ort Kolmanskop gibt und sein Boom bis in die frühen 30er Jahre andauerte.

Wellness in der Wüste

Geisterstadt Kolmanskop

Heute, nach nur 100 Jahren hat sich die Natur fast alles zurück erobert. Riesige Wanderdünen schieben sich langsam in die Häuser von Kolmanskop, die noch erstaunlich gut erhalten sind.

Kommt mit auf meine Zeitreise zur Geisterstadt in der Diamantenwüste von Namibia

Die Deutsche Geisterstadt in der Diamantenwüste von Namibia befindet sich nur knapp 10 km entfernt von Lüderitz und damit vom Meer. Interessanterweise ist das Wetter aber ein komplett anderes. Während es in Lüderitz neblig und kalt ist, brennt schon 10 km weiter im Landesinneren die Sonne ungebremst auf Kolmanskop in der Wüste ein.

Irgendwie schön, oder?

Noch heute werden hier Diamanten abgebaut, obwohl das Hauptgebiet inzwischen eher nach Süden Richtung Oranjemund verlagert wurde. Und genau hier kommt auch die Erklärung mit Afrikas größtem und auch ältesten Röntgengerät ins Spiel. Wenn es ums Schmuggeln geht, sind Menschen extrem findig und um dem einen gewissen Riegel vorzuschieben, wurde und wird jeder Arbeiter nach jeder Schicht einzeln und intensiv durchleuchtet. Irgendwie logisch und trotzdem gab es die verrücktesten Ideen um die Technik auszutricksen. Von der Brieftaube über Schuhe, per Pfeil und Bogen bis hin zu angeblich defekten Radios, die zur Reparatur mussten. Überall gab es Verstecke und offensichtlich hat man sie doch alle gefunden.

Reise in Geisterstadt

Heute ist Kolmanskop eine Geisterstadt, in der Wind und Sand mit den Häusern spielt. Kein Einwohner, dafür aber für Besucher die Möglichkeit die Deutsche Geisterstadt in der Diamantenwüste von Namibia als Art Freilichtmuseum zu erleben.
Ohne Führung ist der Besuch nicht gestattet. Doch nach der fast einstündigen Zeitreise mit Guide ist das freie Bewegen auf dem gesamten Gelände möglich.
Wie fast alles in Namibia kostet der Eintritt 80 NAD pro Person. Die Geisterstadt Kolmanskop ist allerdings nur vormittags geöffnet.

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Lost Places – Deutsche Geisterstadt in der Diamantenwüste in Namibia

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6 Kommentare
  1. Tanja says:

    Liebe Katja,
    Namibia steht auch tatsächlich ziemlich weit oben auf meiner Reiseliste… muß aber wohl noch etwas warten.
    Die Geisterstadt fasziniert mich aber wirklich. Ich hab kürzlich schon auf einem anderen Blog drüber gelesen und fand es wirklich total spannend. Bin gespannt, wie deine Reise weitergeht.

    Liebe Grüße
    Tanja

    Antworten
  2. Gina says:

    Ich liebe solche Geisterstädte. Sie atmen die Athmosphäre einer längst vergangenen Ära und sind auf angenehme Weise gruselig.
    In Chile haben wir auch mal ehemalige Minenstädte besucht.

    Liebe Grüße Gina

    Antworten
  3. Bruno says:

    Vielleicht kommt hierher mit ein paar mit Swarowski Steinen besetzten Accessoires. Ein Stein mehr an der Brille fällt doch dann gar nicht auf 🙂 Schöner Artikel, Katja, aber ein bisschen surreal wirkt das Ganze schon. Und fertige Bahnstrecken, die noch niemand benutzt hat, gibts glaube ich in Deutschland auch.
    Viele Grüße
    Bruno

    Antworten
    • Katja Wegener says:

      Lieber Bruno,
      ich dachte in Deutschland handelt es sich bei solchen Bauten eher um Flughäfen 🙂 Oder fällt dir noch eine andere Bahnstrecke ein?
      Viele Grüße, Katja

      Antworten
  4. Kathi says:

    Liebe Katja,
    Afrika… dahin muss ich auch unbedingt mal. Namibia steht da ganz weit oben auf der Liste. Und eine Geisterstadt klingt so, als ob ich sie auch besuchen würde. Die Bahnstrecke ist da wirklich sehr interessant und man fragt sich wann und ob sie jemals eröffnet wird?!
    Ich danke dir für den Tipp. 🙂

    Viele liebe Grüße
    Kathi

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